Die Geschichte des Faust
Benannt nach dem berühmtesten Zweifler der deutschen Literatur, entstanden auf einem WG-Sofa, zweimal wiederauferstanden: Das ist die Geschichte unseres Gewölbekellers im K4-Gebäude. Sie beginnt allerdings deutlich früher als das Faust selbst.
1998Ein Lagerraum mit Hintergedanken
Unter dem ehemaligen Siemensgebäude an der Geschwister-Scholl-Straße liegt ein Gewölbekeller, den die Universität als Lagerraum nutzt. Dass man daraus etwas machen könnte, finden zuerst die Architekturstudierenden, die im selben Haus untergebracht sind - und beim Rektor Günter Pritschow, selbst Ragtime-Pianist, rennen sie damit offene Türen ein. Die Jazz Society Stuttgart wiederum ist seit ihrem Auszug aus der Dixieland Hall in der Marienstraße heimatlos und sucht ein neues Zuhause. Am 23. Januar 1998 stellt die Jazz Society Stuttgart e.V. den Bauantrag für die „Einrichtung einer Schank- und Speisewirtschaft (Jazzkeller)“; genehmigt wird er am 13. Oktober 1998, mit Öffnungszeiten von höchstens 17 bis 2 Uhr.
2000K4 - das K steht für Kultur
Ein zweiter Bauantrag vom 22. November 1999 wird am 19. April 2000 genehmigt, diesmal als Kulturkeller. Am 4. Mai 2000 eröffnen Uni-Rektor Pritschow und Kulturamtsleiter Wolfgang Ostberg das K4 vierhändig am Klavier, mit dem „K4-Blues“. Der Name schließt an die Kollegiengebäude K1 und K2 an, das K steht hier aber für Kultur. 450 Quadratmeter, 1,25 Millionen Mark Baukosten, zunächst zugelassen für 99 Gäste. Das Programm machen Universität und Jazz Society gemeinsam: mittwochs, freitags und samstags die Jazzer, an den übrigen Abenden studentische Gruppen des Studium generale - von der Uni-Big-Band über Lesungen bis zum Tangoabend, den ein Professor für Geologie unterrichtet.
2009Die Idee
Während der Hochschulbesetzung entsteht in einer studentischen WG - natürlich auf dem Sofa - die Idee eines Studicafés: ein Ort für Arbeitsgruppen, Kultur und Austausch, frei von Privatinvestor:innen und Fremdeinflüssen. Denn wer weiß besser, was Studierende an ihrer Uni brauchen, als sie selbst?
2011FAUST powered by Mephistopheles
Weil es in Baden-Württemberg damals keine Verfasste Studierendenschaft gibt, gründen die Studierenden kurzerhand einen eigenen Trägerverein: den Mephistopheles e.V. Nach anderthalb Jahren Raumsuche, Verhandlungen mit der Universität und Finanzplänen öffnet das Café Faust im November 2011 im ehemaligen Jazzkeller am Campus Stadtmitte - unter dem Motto „Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!“. FAUST steht damals auch für Fachschafts- und AStA-Café Uni Stuttgart.
2016Der große Umbau
Eine neue Generation motivierter Studierender haucht dem bisherigen Café neues Leben ein: Es wird geplant, geschuftet und organisiert - Tag und Nacht. Im Sommer 2016 öffnet das Faust wieder seine Türen, nun getragen vom Freunde des Faust e.V.
2020Corona
Im März 2020 zwingt die Pandemie das Faust, seine Türen zu schließen. Der Gewölbekeller wird still - aber nicht vergessen.
2022Die zweite Wiederauferstehung
Wer das Wunder der Auferstehung einmal vollbracht hat, schafft es auch ein zweites Mal: Nach langer Planung, vielen Personalwechseln und unzähligen Ehrenamtsstunden eröffnet das Café Faust im Mai 2022 erneut.
HeuteUnd weiter
Generationen von Studierenden haben das Faust weitergegeben, jede hat ihre Spuren hinterlassen. Der Rest der Geschichte? Schreiben wir gerade - gerne mit dir. Komm rein, komm heim!